Erworbene Fussfehler

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Erworbene Fussfehler

Und wie man sie vermeldet.

Der Knickfuss gilt als häufiger Fussfehler. Wenn Sie ihn mit dem gesunden Fuss vergleichen, dann können sie beim gesunden Fuss eine leichte X-Stellung des Fersenbeines erkennen. Beim Knickfuss ist dieses X deutlich stärker.

Sicher bedeuten grobe Formalbweichungen eine verminderte Belastbarkeit der Füsse. Aber eine strenge Verbindung zwischen Fussform und Leistungsfähigkeit besteht trotzdem nicht. Denn Untersuchungen von Olympiakämpfern haben gezeigt, dass viele Sportler Knick-Senkfüsse hatten und trotzdem ausgezeichnete Leistungen brachten.

Es ist also nicht einfach, eine Abgrenzung zwischen voll leistungsfähigem und krankem Fuss vorzunehmen. Das erklärt die Zurückhaltung moderner Orthopäden, vorbeugend oder bei einer leichten Fussschwäche Einlagen zu verordnen. Diese Zurückhaltung ist besonders angebracht bei Kindern, die von Natur aus einen lockeren Knickfuss haben. Hier hat man sich von der Vorstellung gelöst, dem vermeintlich schwachen Fuss durch eine passive Unterstützung mit Einlagen helfen zu können. Statt dessen wird nun eine Kräftigung der Muskulatur durch häufiges Barfuss gehen auf natürlichem Boden empfohlen. Und die Versorgung mit passendem Schuhwerk, das dem Fuss möglichst grosse Bewegungsfreiheit lässt.

Unter so gesunden Umständen wird Gehen bei Belastung zum Training der Fussmuskulatur. Das hilft besser als Einlagen, die den Muskeln die fithaltende Arbeit abnehmen.

Beim Senkfuss ist das innere Längsgewölbe abgesunken. Über die Ursache der Fusssenkung bestehen zahlreiche Hypothesen. Zum einen wird eine angeborene Schwäche des passiven Bewegungsapparates angenommen -schwache Knochen, Kapseln und Bänder. Zum anderen geht man aber auch davon aus, dass die Fusssenkung zumindest am Anfang auf eine Muskelschwäche zurückzuführen sei. Dann können die Fussmuskeln die Fussform nicht mehr gegen die Schwerkraft erhalten. Die Muskelschwäche wird auf mangelnde Übung und einseitige Überbelastung zurückgeführt.

Knickfuss und Senkfuss kommen meist gemeinsam vor - als Knicksenkfuss. Der Plattfuss ist eine Kombination von Senkfuss und Spreizfuss. Bei ihm zeigt nicht nur das Fersenbein Knickstellung und das Fussgewölbe eine Abflachung, sondern das vordere Quergewölbe ist abgeflacht.

Bei Erwachsenen ist der Plattfuss der am häufigsten erworbene Fussfehler - nicht zu verwechseln mit dem angeborenen Plattfuss! Durch Abflachung der Gewölbe sind hier die Bänder überdehnt und die Muskulatur wird überlastet. Der Fuss hat seine Elastizität verloren. Die Gelenke werden falsch belastet. Ergebnis ist ein Fuss, der bei jedem Schritt schmerzt. Einlagen können diese Beschwerden beiseitigen. Nur sollte nicht vergessen werden, dass die Einlagenversorgung eigentlich nur eine vorübergehende Massnahme darstellt. Um die Fussmuskeln zu kräftigen, sind entsprechende krankengymnastische Übungen unerlässlich.

Bei Kindern ist die Sache ein bisschen anders zu sehen: Wenn hier ein leichter, lockerer Knick-Senkfuss auftritt, wird er häufig schon als Plattfuss bezeichnet, was falsch ist. In der Regel ist da keine besondere Behandlung nötig. Kinder mit Plattfüssen haben im Gegensatz zu Erwachsenen nur selten Fussschmerzen. Nur bei Kindern mit extremer Knickstellung des Fersenbeines und vollständiger Abflachung des Fusslängsgewölbes sollte die Fehlhaltung mit Einlagen korrigiert werden, Denn sie kann im späteren Leben einmal Ursache für Schmerzen sein.

Wer mit Plattfüssen grosse Schmerzen hat, der kann am "entzündlichen kontraktem Plattfuss" leiden. Ausgangspunkt dieser Schmerzen ist ein Reizzustand der einzelnen Fussgelenke. Er führt zur Dauerverkrampfung der Unterschenkelmuskulatur. Behandlungstipp: Feuchtwarme Umschläge, schmerzlindernde Medikamente,  ruhigstellende Gipsverbände, dann Versorgung mit Stützeinlagen.

Schliesslich gibt es noch Plattfüsse aufgrund von Lähmungen oder Knochenanomalien. Hier geht die Behandlung über einfache Einlagenversorgung hinaus - mit Orthesen, Schuhzurichtungen, orthopädischen Schuhen oder Operationen.

Der Hohlfuss. Das Gegenstück zum Plattfuss. Beim Plattfuss liegt das Fusslängsgewölbe völlig flach, beim Hohlfuss da gegen ist es zu hoch. Das Fersenbein steht im O-Sinn gekippt. Die Zehen sind häufig in Krallenzehstellung eingeschlagen. Ein Hohlfuss entsteht während der ersten Lebensjahre. Mit Einlagen kann meist eine bessere Druckverteilung erreicht werden. Gelegentlich muss noch mit einer Operation nachgeholfen werden. Immerhin sind Schuhzurichtungen bei Beschwerden hilfreich.

Der Spitzfuss. Er kann mehrere Ursachen haben. Der Spitzfuss entsteht durch Gesundheitsstörungen, die angeboren sind oder später auftreten - zum Beispiel Lähmung der fusshebenden Muskulatur, spastische Lähmungen bei zerebraler Kinderlähmung oder Unfallfolgen. Je nach Krankheitsbild sind hier operative Massnahmen notwendig oder das Tragen einer den Beinlängenunterschied ausgleichenden Bettungseinlage. Links ein Normalfuss im Vergleich zum Spreizfuss rechts. Von vorn gesehen

Der Spreizfuss. Er kommt selten allein vor. Beim Spreizfuss hat sich das querliegende kleine Fussgewölbe gesenkt. (Die Fussgewölbe sind auf den Seiten 12 und 13 beschrieben.) Während Sie mit gesunden Füssen nur auf den Köpfen des ersten und fünften Mittelfussknochens (Grosszehen- und Kleinzehenballen) laufen, kommen hier auch die Köpfchen der übrigen Mittelfussknochen unter stärkere Druckbelastung. Als Folge davon entsteht vermehrte Hornhautbildung an den Druckstellen. Diese Schwielen sind Kennzeichen des Spreizfusses.

Die Schiefzehe. Tritt häufig in Verbindung mit dem Spreizfuss auf. Der Spreizfuss ist Bestandteil des Plattfusses. Zur Behandlung dienen Einlagen, die mit einer polsterförmigen Abstützung den schmerzhaften Druckpunkt entlasten. Gleichzeitig formen sie das quere Fussgewölbe aus. Oft gehört zum Spreizfuss auch die Schiefzehe. Hier ist die Grosszehe schräg in Richtung auf die zweite Zehe abgewandert. Der Grosszehenballen (erstes Mittelfussköpfchen) kommt seitlich stärker unter Druck, was den Schleimbeutel entzündet. In leichten Fällen kann so etwas mit Nachtschienen behandelt werden. Bei ausgeprägten Deformationen ist eine Operation notwendig mit anschliessender Einlagenversorgung des Fusses,

Fuss des Rheumakranken. Eine schmerzhafte Sache. Die orthopädische Versorgung dieser Füsse bereitet besondere Probleme. Hier handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung, die vor allem die kleinen Gelenke betrifft. Sie kann zur Zerstörung, Verrenkung oder völligen Versteifung der Gelenke führen. Zum typischen Krankheitsbild gehören die Zerstörung der Fusswurzelknochen, entzündliche Schleimbeutel im Bereich der Mittelfussknochen sowie Zehenfehlstellungen. Als Behandlung ist eine Einlagenversorgung bei ausgeprägten Fällen nicht ausreichend. Operative Eingriffe und anschliessende Versorgung mit massgefertigtem orthopädischem Schuhwerk sind hier sehr häufig notwendig.

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